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Wie der Bürgerkrieg in Sri Lanka das Leben meiner Familie verändert hat

  • Writer: Menakan Mathanraj
    Menakan Mathanraj
  • Jan 2
  • 3 min read

Mein Name ist Menakan und ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern kommen aus Sri Lanka und gehören zur tamilischen Bevölkerungsgruppe. Wegen des Bürgerkriegs mussten sie ihr Land verlassen. Viele Menschen hören nur, dass es Krieg gibt, aber sie wissen nicht, wie es wirklich für Familien ist. Ich schreibe diesen Text, um zu erzählen, was meine Eltern erlebt haben und wie der Krieg ihr Leben verändert hat.



Meine Eltern sind im Norden von Sri Lanka in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Das Leben dort war ruhig und einfach. Die Menschen kannten sich alle und halfen sich gegenseitig. Viele Familien lebten nah beieinander. Kinder spielten draußen auf den Straßen oder auf den Feldern, oft bis es dunkel wurde. Abends saßen die Erwachsenen zusammen und redeten oder halfen einander. Es gab Feste und religiöse Feiern, bei denen das ganze Dorf zusammenkam. Meine Eltern gingen zur Schule oder zur Arbeit und lebten mit ihren Familien zusammen. Mein Vater sagte oft: „Sri Lanka ist unsere Heimat!“ Für sie war dieses Dorf ihr ganzes Leben, und sie hätten nie gedacht, dass sie es einmal verlassen müssen.



Als der Bürgerkrieg begann, änderte sich alles. Plötzlich war das Leben voller Angst. Soldaten waren überall, es gab Kontrollen und man hörte Schüsse. Häuser wurden zerstört, Menschen verletzt. Meine Eltern hatten Angst, das Haus zu verlassen. Meine Mutter sagte: „Wir wussten nie, ob wir wieder nach Hause kommen.“ Sie machten sich große Sorgen um ihre Familien. Niemand konnte vorhersehen, was am nächsten Tag passieren würde. So war dieses Leben voller Angst.


Mit der Zeit wurde die Situation noch schlimmer. Viele Menschen verschwanden, Häuser wurden zerstört und ganze Dörfer litten unter Gewalt. Auch das Dorf meiner Eltern war nicht mehr sicher. Meine Eltern merkten, dass sie dort keine Zukunft hatten. Die Entscheidung zu fliehen war sehr schwer für sie. Sie mussten ihre Eltern, Geschwister, Freunde und ihr Zuhause zurücklassen. „Wir sind nicht gegangen, weil wir wollten, sondern weil wir mussten“, sagte mein Vater. Sicherheit war wichtiger als alles andere.


Auch die Flucht selbst war unsicher. Meine Eltern wussten nicht, was sie erwartet. Sie mussten in ein fremdes Land reisen, ohne Ahnung, wie ihr Leben dort sein würde. Trotzdem hatten sie Hoffnung auf ein Leben ohne Krieg. Mein Vater erzählte oft, „wir wollten nur in Sicherheit leben!“


Als sie in einem neuen Land ankamen, war am Anfang alles fremd. Die Sprache war anders, die Menschen anders und das Leben ungewohnt. Das war im Jahr 1995 in Deutschland. Sie mussten die Sprache lernen, Arbeit finden und sich an ein neues Leben gewöhnen. Oft fühlten sie sich allein und überfordert. Trotzdem gaben sie nicht auf. Sie arbeiteten hart und versuchten, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie wollten meinem Bruder eine sichere Zukunft geben. Meine Mutter sagt, was sie getan haben, war für uns. Auch wenn der Anfang schwer war, haben sie weitergemacht.


Heute lebe ich in Sicherheit, weil meine Eltern diesen schweren Weg gegangen sind. Ich wurde 2011 in Bielefeld geboren und kann hier zur Schule gehen, ohne Angst haben zu müssen. Ich kann mit Freunden spielen und mein Leben planen. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Oft denke ich daran, was meine Eltern alles verloren haben: ihre Heimat, ihre Familien, ihr Zuhause. Trotzdem haben sie nicht aufgegeben. Das zeigt mir, wie viel Mut und Stärke sie haben. Dafür habe ich großen Respekt.


Viele Menschen sehen nur, woher jemand kommt, aber nicht, was diese Person alles durchgemacht hat. Meine Eltern sind nicht „einfach ausgewandert“, sie sind geflohen. Hinter jeder Flucht steckt eine Geschichte voller Angst, Verlust, aber auch Hoffnung. Für die Gegenwart bedeutete ihre Flucht, dass ich und meine zwei Brüder frei leben dürfen.

Die Geschichte meiner Eltern gehört auch mir. Sie zeigt mir, wie wichtig Frieden und Sicherheit sind und dass mein Leben und Wohlhaben in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist.

 

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