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In einer lauten Welt leise sein – wie ist es, introvertiert zu sein?

  • Fenja K
  • 19 hours ago
  • 3 min read

Updated: 4 hours ago

Introvertiert sein. Für jeden bedeutet introvertiert sein was anderes. Manche sind offener bei bestimmten Personen; manche sind in manchen Situationen tatsächlich extrovertiert; und wir haben alle unterschiedliche Gründe, warum wir introvertiert sind. Es gibt auch Vorurteile und Missverständnisse darüber, wie es ist introvertiert zu sein.


Ich persönlich mag es nicht, introvertiert zu sein. Es ist für mich schwer, Leute anzusprechen. Ich möchte z.B. einen Tanz- und Kampfsportkurs machen, habe aber Angst, neue Leute kennenzulernen. Eine gewisse Sozialangst gehört dazu. Bei meinen Eltern und meinem Bruder bin ich meistens offen, aber bei meinen Großeltern wiederum nicht. Diese Sozialangst trifft jedoch nicht alle introvertierten Menschen.


Ein 14-jähriges Mädchen im 9. Jahrgang hier war nicht schon immer introvertiert. Sie erzählte, dass sie während ihrer Grundschulzeit noch ziemlich extrovertiert war. Mit Vorurteilen wird sie oft konfrontiert: dass man emotionslos sei, kalt sei oder dass man eigentlich unsympatisch ist. Diese Vorurteile haben natürlich nicht jeder Mensch, aber sie hat eben diese aufgezählten mitbekommen.


Doch werden introvertierte Personen eigentlich anders behandelt? Sie hat das Gefühl, dass es so ist.


„Ich glaube, weil ich halt so leise bin, reden Leute weniger mit mir, weil die denken, ich antworte nicht oder so.“


Trotzdem beobachtet sie schon eine kleine Veränderung in ihrem Verhalten.


„Öfters, wenn ich draußen bin, rede ich mit fremden Personen so fünf Minuten lang, und das geht ohne Probleme, besser als vor zwei Jahren.“


Andere introvertierte Personen unserer Schule erleben anderes. Er ist 16 Jahre alt und ein ehemaliger Schüler der Realschule Heepen. Er war mehrere Jahre sehr zurückhaltend und introvertiert.


Wegen seines Umfeldes konnte er sich nicht öffnen und ist der Meinung, dass Introvertierte anders behandelt werden.


„Mit Introvertierten wird oft vorsichtiger umgegangen,“ behauptet er. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute, mit denen man Kontakt hat und die eher extrovertiert sind, sich erhabener fühlen.“


Seine Eltern sagten ihm während seiner introvertierten Zeit, dass er den ersten Schritt machen und auf andere Personen zugehen solle. Dieser Druck, sich anders zu zeigen, erleben viele introvertierte Menschen.


Nach einer Zeit fing er aber langsam an, Kontakte zu knüpfen.


„Ich bin auf ein Mädchen aus meiner ehemaligen Klasse zugegangen und fragte sie öfters, wie viel Uhr es sei – nach einer Zeit entstand eine Freundschaft.“


Je älter er wird, desto leichter fällt es ihm, offen zu sein. Er geht mittlerweile auf das Cecilien-Gymnasium und kommt mit seinem Umfeld klar, weshalb er sich noch offener zeigen kann.


Eine weitere Schülerin machte noch eine andere Erfahrung. Früher war ziemlich extrovertiert, aber durch Mobbing wurde sie introvertiert.


„Ich wurde von Freunden runtergemacht und ausgenutzt.“ Sie denkt, dadurch dass sie stiller geworden ist, nutzten die Freunde die Gelegenheit, „um mich noch mehr runterzumachen, weil ich sowieso nichts sagen werde.“


Als sie realisierte, das waren keine Freunde, versuchte sie, die Freundesgruppe zu verlassen, wusste aber nicht wie.


„Ich hatte versucht, ihnen zu erklären, dass sie aufhören sollen, so mit mir umzugehen. Sie sagten, dass sie aufhören werden, ich war mir da aber nicht so sicher.“


Für eine Zeit haben sie mit dem Runtermachen aufgehört, aber es fing wieder an. Nach einer Zeit hat sie den Kontakt abgebrochen und es daraufhin ihrer Mutter erzählt. Nach dem Kontaktabbruch fühlte sich alles besser an, aber sie war trotzdem am Ende introvertiert.


Doch hilft ihr Therapie dabei. Sie merkt langsam, „dass ich wieder offener werde, und ich habe auch schon zwei neue Freundinnen.“


Eine andere introvertierte Schülerin sagt, sie ist bei Menschen extrovertiert, die sie sehr gut kennt, sowie bei alten Freunden oder auch bei ihrer Familie.


Auch sie kennt Vorurteile gegenüber introvertierten Personen: „Introvertierte sind unfreundlich“, „Introvertierte sind schüchtern oder unsicher“, „Introvertierte haben keine Freunde“. Dabei stimmt das oft gar nicht. Introvertierte sind meist nur ruhiger, aber nicht weniger sozial.


Es gibt für sie keine Wahl zwischen extrovertierten und introvertierten Freunden, denn sie findet beide Eigenschaften gut.


„Beides ist schön. Introvertierte Freunde verstehen einen oft besser und sind ruhiger. Extrovertierte Freunde können einen aber auch motivieren, Neues auszuprobieren. Eine Mischung ist eigentlich perfekt.“


Sie ist der Meinung, dass extrovertierte Menschen von anderen oft schneller akzeptiert werden und introvertierte manchmal unterschätzt werden.


„Extrovertierte werden oft schneller akzeptiert, weil sie lauter, offener und ‚auffälliger‘ sind. Introvertierte werden manchmal unterschätzt.“


Sicher, ob sie lieber introvertiert oder extrovertiert wäre, ist sie sich nicht.


„Manchmal wäre ich gerne extrovertiert, weil vieles im Alltag einfacher wäre. Aber eigentlich ist introvertiert sein nichts Schlechtes, man denkt mehr nach, hört gut zu und ist oft sehr loyal.“


Zuletzt soll noch eines klar werden, sagt sie. „Introvertiert zu sein, bedeutet nicht, dass man schwach ist. Viele sehr erfolgreiche, kluge und kreative Menschen sind introvertiert. Sie brauchen einfach mehr Ruhe, um sich wohlzufühlen und Energie zu tanken.“

 
 
 

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