Echte Stärke: mein Blick aufs Mannsein
- Volodymyr Diachenko

- 5 days ago
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Ich bin cis-, hetero, weiß, europäischer Mann und Christ. Wenn meine Mitmenschen was anderes sind – anders aussehen, anders glauben, anders lieben – sind sie es einfach. Ich habe es zu akzeptieren. Es heißt es nicht, dass sie weniger wert sind oder anders menschlich, wenn Personen andere Identitäten haben, die sich von meinen unterscheiden. Deswegen bin ich ziemlich verwirrt als Mann: Ist das, was einen stark macht, immer als Macho aufzutreten?
Von meiner Kultur habe ich gelernt, dass ein Mann nie seine Stärken auf die Schwachen zeigen darf, seien es Kinder, Frauen, ältere Menschen – oder Menschen, die in der Gesellschaft benachteiligt sind. In der Männerwelt heißen es physische und finanzielle Stärken. Aber für mich gehört nicht zum „echten Mann sein,“ andere kleiner zu machen. Mann ist stark, wenn Mann andere Menschen hochschätzt, motiviert, unterstützt und bemitleidet. Erstens ist das Kleinmachen viel einfacher. Schwach. Zweitens zeigt es wenig emotionale Kontrolle. Zu Stärke gehört auch Selbstregulation. Drittens ist es schwerer, Mut zu zeigen, einen anderen Weg, vielleicht gegen die gesellschaftlichen Normen zu gehen. Wenn man kein Mitleid für andere ausspricht, ist das arschlöcherisch, nicht männlich. Andere klein zu machen, ist schwach.
Nur weil Mann cis-, hetero, weiß, europäisch und Christ ist, heißt es nicht, dass Männer böse oder Täter sind. Mein Text ist kein Männerhass oder Angriff, nur meine Gedanken zum Mannsein.
Ich muss weniger Angst vor Polizisten haben. Wobei ich nicht gegen die Polizei bin, werden Menschen mit nicht europäischem Aussehen mehr kontrolliert. Problematisch hier ist, wenn durch rassistische Vorurteile Menschen MIT europäischem Aussehen zu wenig kontrolliert werden. Ich darf ohne Angst Hand in Hand mit einer Partnerin in die Stadt gehen. Ich kriege keine rassistischen Sprüche. Ich muss meine Existenz nicht erklären. Usw., usw. Eigentlich akzeptieren alle, dass ich ein cis-, hetero, weiß, europäischer Mann und Christ bin. Das macht mich aber nicht zu Mann.
Diese Privilege sind keine eigenen Leistungen. Eigene Leistung wäre wie das Abitur, aber selbst da haben manche mehr Bildungsprivilegen aufgrund ihrer Herkunft oder Familienhintergründe. Man kann auf seine eigene Leistung stolz sein. Wenn meine Nationalität und Sexualität der einzige Grund für meinen Stolz und Selbstwertgefühl sind, muss ich wohl eine sehr schwache Leistung haben.
Also, Jungs, wo liegt eure Stärke? Wenn eure Männlichkeit nur darauf basiert, was man nicht ist – nicht schwul, nicht weiblich, nicht freundlich – dann ist es komische Männlichkeit. Wer bist du denn? Was hast du selbst erreicht? Welche Positionen nimmst du, wenn andere falsch behandelt werden? Das kannst du alles selbst entscheiden. Denn Stärke wäre gegen Rassismus, Homofeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Transphobie – dann das braucht viel mehr Mut als die anderen kleinzumachen.



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