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Von Misstrauen zu Mitgefühl – meine Geschichte zwischen Kulturen

  • Writer: Vasilios Kermos
    Vasilios Kermos
  • Nov 5
  • 2 min read

Ich habe einen deutschen Pass, aber ich fühle mich nicht so.


Ich bin nur mit der griechischen Kultur aufgewachsen. Seit meiner Kindheit wurde mir nur etwas von Griechenland erzählt. In der Kita konnte ich kein Deutsch, da musste man mir die Sprache erst beibringen. Ich konnte mich mit anderen Kindern nicht verständigen – nur mit Handzeichen. Dementsprechend konnte ich mit den anderen kaum spielen.


Ich musste in der Schule immer viel nachholen, vor allem in Deutsch. Aber alle Fächer waren schwierig, weil ich kaum Deutsch verstanden habe. Das ist heute anders.


Damals habe ich die Welt auch anders gesehen. Als Kind lernte ich über den Krieg zwischen der Türkei und Griechenland – und lernte auch, dass die Türkei böse ist.


Eines Tages war ich mit meiner Mutter und Freunden auf einem Spielplatz. Ich fragte die Mutter meines Freundes, ob es Türken auf der Realschule Heepen gibt. Direkt nach ihrem „Ja“ sagte ich, ich möchte nicht auf die RSH. Aber die Schule ist nah an meinem Zuhause, und ich wollte unbedingt auf eine Realschule. Also – hier bin ich.


Ich wollte nur Russen und Serben begegnen, anderen Orthodoxen. Aber als ich an die RSH kam, war ich mit vielen türkischen Kindern unterwegs. Mir wurde immer gesagt, die Türkei hat uns „ins Schwimmen gelassen“ – sprich: Durch die Landeroberung mussten wir schwimmen lernen. Das hat mein Weltbild verstärkt. Türken sind böswillig. Der Islam ist schlecht. Ich habe genauso schlimme Dinge über sie erzählt – was ich heutzutage bereue.


Für mich war es interessant, hier einen anderen Blick zu bekommen. In meiner Fußballmannschaft gab es auch viele Türken. Ich habe gecheckt: Die sind nette, normale Kinder – genauso wie ich. Ich dachte, sie mochten mich nicht, weil ich Grieche bin. So war es nicht... Außerdem können Kinder nichts für das, was früher im Krieg war. Keine Kinder sind schuld am Krieg. Und auch nicht an der Kultur, in die sie geboren wurden. Ich merkte: Wir waren gleich.


Eine Mitschülerin in meiner Klasse und einer aus einer Parallelklasse haben mich sehr beeinflusst. Nettigkeit haben sie mir gezeigt. Sie hatten keine Vorurteile gegen mich. Ich war der Einzige, der etwas gegen sie hatte. Sie haben mich direkt aufgenommen. Die Eltern waren uns gegenüber auch sehr freundlich.„Warum hasse ich dieses Land? Sie verurteilen mich nicht, wie ich das tue…“


Mit der Zeit ging die Anschuldigung aus meinem Kopf, und ich habe meine türkischen Freunde sehr geschätzt. Ich bin regelmäßig zu türkischen Freunden nach Hause gegangen und bin mit ihrer Kultur konfrontiert worden.


Der Kontakt mit der Kultur hat mir die Augen weiter geöffnet. Es gibt seit Jahren Streit, woher Baklava und Tsatsiki kommen. Aber als ich ein türkisches Gericht mit so etwas gegessen habe, dachte ich ehrlich: „Boah, das schmeckt viel besser.“ Beide Länder machen diese Gerichte gut – warum streiten wir so sehr?


Ich freue mich, wenn ich in die Türkei reisen und noch mehr erfahren darf. Ich freue mich natürlich auch sehr, meine Freunde zu haben.


Ich wollte das aus Liebe zu meinem eigenen Land machen – zeigen, wie wir eigentlich sind, und eine offene Hand geben.


In der Tat bin ich eher wie ein Türke als ein Deutscher.



4 Comments


anis.avdiu
Nov 12

ganz mutig von dir, mach weiter so😁


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emilia.cunliffe
Nov 12

Sehr starker Text Vasili

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Ayşan Ilik
Ayşan Ilik
Nov 12

Kala!

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niko.klemme
Nov 12

Feta bester Mann

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