Ich will dazugehören – aber nicht so
- Rihards Dimants

- Nov 12
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Manchmal, wenn die Jungs reden oder Quatsch machen, sage ich ihnen, sie sollen leise sein. Aber manchmal mache ich mit. Oder ich weiß nicht, wie ich mich sowohl als Freund als auch als Schüler benehmen soll.
Wenn ich zu ihnen sage, sie sollen leise sein, gucken sie mich komisch an. Ich sei auf der Lehrerseite. Dabei bin ich einfach nur ein Mensch, der unterrichten möchte. Wenn ich mitmache, bekomme ich auch Ärger und störe den Unterricht. Dieser Rollenkonflikt kommt immer wieder: Was mache ich, wenn andere zuschauen?
Manchmal sagt jemand: „Wie kann man gay sein?“ oder „Männer sind dafür geschaffen, auf Frauen zu stehen – sie sollten sich so verkleiden und benehmen.“ Manchmal stelle ich mir dieselben Fragen zu Gender, aber ich glaube, wir sollten uns auf uns selbst konzentrieren, nicht auf andere – einfach leben und leben lassen.
Doch da habe ich den Rollenkonflikt wieder. Manchmal mache ich ein bisschen mit, damit meine Freunde mir kein komisches Gesicht zeigen. Ich habe Angst, dass sie gegen mich werden, weil ich eine andere Meinung habe. Oder schlimmer: dass sie nicht mehr mit mir befreundet sein wollen, weil ich anders denke als sie.
Zuhause befinde ich mich auch in diesem Rollenkonflikt. Meine Eltern sagen immer, dass ich einfach leben und leben lassen soll. Meine Freunde sagen aber, dass andere so sein sollten wie sie – nicht schwul, nicht lesbisch, nicht divers, nicht anders. Meine Freunde zeigen ein anderes Gesicht vor meiner Familie und reden nicht über ihre Einstellungen. Sie wissen nicht, dass meine Eltern die Welt anders betrachten.
Doch meine Freunde ahnen ein bisschen, dass ich anders glaube. Da ich nicht immer direkt auf ihrer Seite bin, nicht immer mitmache, manchmal leise bleibe oder offen Frust über ihre Äußerungen zeige, merken sie, dass es nicht nur ihre Meinung gibt. Trotzdem ist es schwierig für mich. Wenn man eine eigene Meinung hat und die anderen nicht daran interessiert sind, sie zu hören, kann man schnell ausgeschlossen werden.
Manchmal denke ich mir, sie sollten einfach mit den Vorurteilen aufhören. Menschen sind einfach, wie sie sind. Ich denke, bei manchen Freunden könnte ich vielleicht den Knopf drücken, damit sie die Welt ein bisschen offener und friedlicher sehen.
Bis ich das schaffe, bleibe ich weiterhin in dem Rollenkonflikt, dass ich zu meinen Freunden stehen möchte und gleichzeitig die anderen unterstützen will.



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