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Respekt, Offenheit, Zusammenhalt – warum ausländische Lehrkräfte die RSH schätzen

  • Writer: Livia Schlegel
    Livia Schlegel
  • Sep 14, 2025
  • 5 min read

Die Realschule Heepen ist bunt – nicht nur bei den Schüler:innen, sondern auch im Kollegium. Vier ausländische Lehrkräfte bereichern die Schule, drei von ihnen berichten über ihre Erfahrungen: Frau Meier, Herr Lengley und Frau Dr. Vouffo.


Interview mit Frau Meier

Frau Meier hatte mehrere Gründe, nach Deutschland zu kommen und an dieser Schule zu unterrichten. Im Alter von 14 Jahren zog sie nach Deutschland, da ihr Vater in der Armee stationiert wurde. Außerdem weckte ihr Interesse an Kindern den Wunsch, Lehrerin zu werden. Erste Erfahrungen sammelte sie im Unterricht an Privatschulen.


Von Beginn an hatte sie einen sehr positiven Eindruck von der Schule und den Schülern. Sie berichtet, dass sie damals in der Klasse 6a war und die Schüler dort sehr höflich gewesen seien. Frau Meier kann stolz sagen, dass sie als ausländische Lehrkraft in Deutschland bisher keine großen Schwierigkeiten erlebt hat.


Sie stellt jedoch Unterschiede zu England fest: Dort werde viel Wert auf Interaktion zwischen den Schülern gelegt, während in Deutschland aus ihrer Sicht zu wenig davon gefördert werde. „Die Zugehörigkeit in englischen Schulen ist sehr unterschiedlich“, meint sie. Besonders gefällt ihr am deutschen Schulsystem die Flexibilität, den Unterricht frei zu gestalten und individuell auf die Schüler einzugehen.


Ihre „englische Mentalität“ habe sie beibehalten – dazu gehören eine gewisse Lockerheit und auch ihr Sarkasmus. Für sie sind Offenheit und Zusammenhalt der Schüler besonders wichtig. Sie betont, dass Schüler mehr lernen, wenn man aktiv auf sie zugeht. Ebenso wichtig sei es, dass Lehrkräfte selbst stets dazu lernen.


Frau Meier rät allen, die England besuchen, nicht nur die großen Städte anzuschauen, sondern auch kleine Dörfer zu erkunden, um die Kultur wirklich kennenzulernen. Über die deutsche Kultur könne sie nur schwer allgemein sprechen, da dies immer von persönlichen Erfahrungen geprägt sei. Sie ist jedoch überzeugt, dass man enorm davon profitiert, die Sprache im Alltag zu lernen – und zwar nicht nur die Sprache selbst, sondern auch die damit verbundene Mentalität und Lebensweise.


Von ihren Schülern habe sie gelernt, dass man nie auslernt und zufriedener durchs Leben geht, wenn man offen für andere ist. Außerdem habe sie erkannt, dass man sich ständig weiterentwickeln und an sich arbeiten müsse.


Ihre Hoffnungen für die Zukunft richten sich vor allem auf die Digitalisierung: Sie wünscht sich, dass die technische Ausstattung zuverlässig funktioniert und digitale Medien selbstverständlich im Unterricht eingesetzt werden. Zudem sei ihr ein respektvoller und höflicher Umgang miteinander wichtig, was an dieser Schule bereits sehr gut gelebt werde – nicht zuletzt dank der hervorragenden Schulleitung.


In ihrer Freizeit feiert Frau Meier gerne, tanzt, treibt Sport und trifft sich mit Freunden. Insgesamt habe sie nur positive Erfahrungen gemacht und sei an der Schule sehr herzlich aufgenommen worden. Obwohl sie ausländische Lehrkraft ist, habe sie keinerlei negative Erfahrungen gesammelt. Am meisten vermisse sie den schwarzen Humor, das Essen, die Architektur und die Landschaft Englands.


Interview mit Herrn Lengley

Herr Lengley zog nach Deutschland, um mit seiner Frau zusammenzuleben. Zuvor führten sie eine Fernbeziehung. Da er Positives über die Realschule Heepen gehört hatte, bewarb er sich dort – erfolgreich.


Als Lehrkraft habe er kaum Herausforderungen erlebt, außer einer: Seine in England erworbene Ausbildung wurde in Deutschland nicht vollständig anerkannt, sodass er zusätzliche Leistungen an der Universität erbringen musste. Insgesamt habe er jedoch sehr gute Eindrücke gesammelt. Besonders angenehm sei ihm aufgefallen, dass die Schüler sehr freundlich sind und ihn schon früh auf dem Flur begrüßten. Auch das Kollegium sei offen und hilfsbereit.


Der größte Unterschied zwischen dem englischen und dem deutschen Schulsystem liegt für ihn in der Leistungsbewertung. In England gibt es keine mündlichen Noten. Die Schüler erhalten ihre Note ausschließlich über zentrale Prüfungen am Ende des zehnten Schuljahres. In Deutschland hingegen bewertet die Lehrkraft kontinuierlich.


Herr Lengley gefällt besonders der enge Kontakt zu den Schülern, den er in England so nicht erlebt hat. Zwar versuche er, seine eigene Kultur in den Unterricht einfließen zu lassen, insgesamt sei sein Unterrichtsstil dadurch aber nicht wesentlich beeinflusst. Wichtig sei ihm vor allem, Unterrichtsstörungen souverän zu bewältigen und verlässlich für Schüler wie Kollegen zu sein.


Auf die Frage nach Tipps für Englandreisende sagt er: „Why not?“ – es gebe viele tolle Städte und Orte, die man unbedingt besuchen sollte. Am meisten vermisse er seine Familie und Freunde. Unterschiede zwischen Deutschland und England sehe er vor allem im Alltag: In England bilde man beim Einsteigen in Bus oder Bahn selbstverständlich eine Schlange, in Deutschland hingegen weniger. Auch im Straßenverkehr zeigten sich Unterschiede.


Von seinen Schülern habe er viele umgangssprachliche Ausdrücke gelernt, die er aus dem Unterricht in England nicht kannte. Er hofft, dass die Schule so bleibt, wie sie ist – großartig, wie er findet. In seiner Freizeit treibt er viel Sport, vor allem Tennis, das er seit 25 Jahren spielt. Auch in Deutschland ist er Mitglied in einem Verein.


Interview mit Frau Dr. Vouffo

Frau Dr. Vouffo zog aus einem besonderen Grund nach Deutschland: Kamerun war früher eine deutsche Kolonie. Ihre Urgroßeltern sprachen noch Deutsch, und viele von den Deutschen gebaute Gebäude stehen bis heute. Für sie war daher klar: Wenn sie ins Ausland geht, dann nach Deutschland.


Ursprünglich hatte sie etwas anderes studiert, merkte aber schnell, dass ihr die Arbeit mit jungen Menschen lag. Sie gab während des Studiums Nachhilfe, was ihr viel Freude bereitete. So entschied sie sich schließlich für den Lehrerberuf.


Ihr erster Eindruck vom deutschen Schulsystem war überwältigend: Sie kannte es bis dahin nicht von innen. Sie selbst hatte in Kamerun direkt das Abitur gemacht und anschließend studiert. Besonders positiv fiel ihr in Deutschland das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern auf – fair, familiär und von Mitbestimmung geprägt. Das sei in Kamerun völlig anders.


Schwierig sei für sie vor allem die Sprache gewesen. Als sie nach Deutschland kam, sprach sie kein Deutsch und musste die Sprache erst lernen, um zum Studium zugelassen zu werden. Auch kulturell gab es große Unterschiede: Der Winter war für sie eine Qual, und auch das Essen war anfangs ungewohnt. Mittlerweile habe sie sich jedoch angepasst.


Besonders schätze sie die Ausstattung deutscher Schulen: Laborräume, in denen Experimente durchgeführt werden können – ein großer Gewinn für ihre naturwissenschaftlichen Fächer. Sie sei in ihrem Unterricht sehr flexibel geworden und gehe offen mit Fehlern um, indem sie ihre Schüler bittet, sie zu korrigieren.


Ein guter Lehrer müsse nach ihrer Meinung nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern vor allem eine starke Persönlichkeit haben, die Schüler motiviert und ihnen Halt gibt. Sie legt außerdem großen Wert auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, Werte, die sie auch an ihre Kinder weitergegeben hat.


Sie betont, wie wichtig es sei, andere Länder und Kulturen kennenzulernen, um den eigenen Horizont zu erweitern und nicht in einem Tunnelblick zu verharren. Von ihren Schülern habe sie eine gewisse Lockerheit und die „Chill mal“-Einstellung übernommen.


Insgesamt sei sie an einer „Traumschule“ gelandet. Das Kollegium helfe sich gegenseitig sehr und unternehme auch privat viel miteinander. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern sei hervorragend. Sie berichtet daher ausschließlich von positiven Erfahrungen und übt ihren Beruf mit Freude aus.

 

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