Solidarität zwischen Bielefeld und Kurdistan
- Volodymyr Diachenko

- Dec 17, 2025
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Die Initiative für Frieden und Hoffnung in Kurdistan setzt sich seit 2015 für Frieden, Hoffnung, Vielfalt, Solidarität und Integration ein – nicht nur in Kurdistan, sondern weltweit. Alle zwei Wochen trifft sich die Initiative um 18 Uhr im Grünen Würfel in Bielefeld.
Im Mittelpunkt stehen Integration in Deutschland sowie Unterstützung in Kriegs- und Krisengebieten, vor allem im Nahen Osten. Jedes Jahr sind Mitglieder auch direkt vor Ort. Emine betont: „Wir machen hier viel in Sachen Integration, weil wir uns als Teil dieser Gesellschaft sehen (…) und wir wollen auch sichtbar sein.“
Der Grüne Würfel wurde als Treffpunkt gewählt, weil er zentral liegt, vielfältige Gruppen beherbergt und kostenfreie Räume bietet. Emine sagt: „Die Vielfältigkeit Bielefelds ist hier verkörpert. (…) Wichtig ist für uns, genau dort zu arbeiten, wo es ‚sozial brennt‘.“
Projekte im In- und Ausland
Die Initiative arbeitet mit zahlreichen Partnern zusammen und unterstützt Projekte in den Bereichen Integration, Bildung, Umwelt, Kunst und Kultur. Dazu zählen:
Stipendien für Studierende in Nordost-Syrien
Baumpflanzaktionen und ökologische Projekte
Unterstützung eines Waisenhauses in Nordost-Syrien
Spielplatzbau im Nordirak: „Jedes Kind hat ein Recht auf Spielen – durch den Krieg ist das verloren gegangen.“
Förderung von Künstler*innen im Camp Mahmud, deren Werke auch in Bielefeld ausgestellt wurden
In Deutschland organisiert die Initiative kulturelle und politische Veranstaltungen, etwa die Kurdischen Filmtage oder Informationsabende zu aktuellen Themen.
Besonders wichtig ist aber die pädagogische Arbeit mit traumatisierten Kindern. Spielplätze dienen hier als Lern- und Begegnungsorte. Emine berichtet: „2014 griff der IS ein Gebiet an, viele Jesiden wurden getötet. Das müssen wir mit der neuen Generation aufarbeiten.“
Die Initiative ist eng mit Stadt, Volkshochschule und Hochschulen verbunden. Diese Netzwerke helfen, Isolation zu überwinden. Ein anderes Mitglied erklärt: „Die kurdische Community wurde jahrzehntelang isoliert. Uns ist es wichtig, diese Wahrnehmung einer kriminalisierten Gruppe zu durchbrechen.“
Diskriminierung als zentrales Thema
Diskriminierung betrifft nicht nur Migrant*innen, sondern auch Frauen, Menschen mit Behinderung oder queere Menschen. Emine sagt: „Integration bleibt unser Schwerpunkt. Wir arbeiten mit allen benachteiligten Gruppen zusammen.“
Auf die Frage nach eigener Diskriminierung antwortet sie: „Ja, ganz genau.“Der Name der Initiative wurde bewusst gewählt: „Wir wollten durch unseren Namen Diskriminierung sichtbar machen: Die Kurden sind hier und wollen wahrgenommen werden.“
Politische Dimension
Kurden wurden in Europa lange als „Türken“, „Araber“ oder „Perser“ bezeichnet, da es keinen anerkannten kurdischen Staat gibt. Dabei bestehen sie auf ihrer eigenen Sprache, Kultur und Gesellschaft.
Zur deutschen Politik sagt der zweite Mitglied: „Die Bundesregierung ist zurückhaltend bei der Anerkennung der Selbstverwaltung in Nordost-Syrien, um Partner wie die Türkei nicht zu verärgern.“
Zudem sei die kurdische Community in Deutschland bis heute nicht offiziell anerkannt. Seit den 1990er Jahren habe eine Welle der Kriminalisierung auch die kurdische Kultur ins Visier genommen.
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