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Gebärdensprachtreff im Grünen Würfel, Ein Ort der Begegnung

  • Writer: Volodymyr Diachenko
    Volodymyr Diachenko
  • Dec 18, 2025
  • 2 min read

Der Gebärdensprachtreff im Grünen Würfel hat sich in kurzer Zeit zu einem wichtigen Treffpunkt für gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen entwickelt. Hier geht es nicht um Unterricht, sondern um Begegnung, Austausch und ein respektvolles Miteinander.


Ein Treffpunkt für alle

Die Idee entstand aus einem Mangel an Möglichkeiten: „Menschen mit Hörschädigung sitzen oft allein zu Hause, weil sie Anschlussprobleme haben“, sagt Nico von der AWO, der den Treff vor rund zwei Jahren ins Leben rief. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem hörende und nicht-hörende Menschen selbstverständlich zusammenkommen.“

Heute treffen sich wöchentlich 20 bis 30 Personen, bei größeren Veranstaltungen auch bis zu 50. Jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr, am letzten Donnerstag im Monat bis 20 Uhr, steht der Grüne Würfel in Bielefeld ganz im Zeichen der Gebärdensprache.


Offen, herzlich, inklusiv

Die Atmosphäre beschreiben Besucher*innen als besonders herzlich. Juliane, die regelmäßig vorbeikommt, sagt:„Man kommt hier an, begrüßt die Leute, nimmt sich etwas zu trinken – und kommt sofort ins Gespräch. Die Menschen sind alle offen und lieb.“

Auch Wolfgang, einer der Leiter, betont die besondere Stimmung:„Die Stimmung ist immer toll. Das hier ist wie mein zweites Zuhause.“

Dabei sind auch Gäste ohne Gebärdensprachkenntnisse willkommen. „Wenn jemand noch nicht so gut gebärdet, helfen die anderen – und es funktioniert trotzdem“, erklärt Wolfgang.


Mehr als nur Gesprächsrunden

Neben freien Unterhaltungen gibt es auch Diskussionen über Themen wie Inklusion oder Antidiskriminierung, manchmal auch kleine Vorträge. Besucher*innen sitzen in Gruppen, trinken Kaffee, spielen Spiele oder tauschen Erfahrungen aus. Für Kalle, einen weiteren Teilnehmer, ist der Treff vor allem eines:„Hier kann ich Spaß haben und den Kopf freibekommen. Das ist meine Freiheit.“


Schwierigkeiten im Alltag

Der Treff zeigt auch, wie wichtig solche Orte sind. Denn im Alltag stoßen gehörlose und schwerhörige Menschen noch immer auf Barrieren. Viele Hörende beherrschen keine Gebärdensprache – Kontakte entstehen oft nur innerhalb der eigenen Community. „Wenn es keine Gebärdensprachkompetenz gibt, ist es schwer, Freundschaften aufzubauen“, sagt Wolfgang.

Manchmal erfahren Gehörlose sogar Spott. „Es kommt vor, dass Leute Gebärdensprache als ‚Affensprache‘ bezeichnen. Das ist sehr verletzend“, berichtet Wolfgang.


Rückblick und Fortschritte

Ältere Besucher erinnern sich an härtere Zeiten. „Früher wurden Kinder sogar bestraft, wenn sie gebärdeten. In der Schule gab es Ohrfeigen – das war schlimm“, erzählt Wolfgang. Viele trugen daraus Traumata davon. Erst durch den politischen Druck der Gehörlosenbewegung hat sich die Situation verbessert. Inzwischen gibt es öffentliche Entschuldigungen, unter anderem aus Schleswig-Holstein und Hamburg.


Gebärdensprache lernen

Wer selbst Gebärdensprache lernen möchte, findet heute viele Wege: an der Universität Bielefeld, in Kursen der Volkshochschule oder privat. Doch wie bei jeder Sprache gilt: Ohne Praxis geht es nicht. „Viele lernen im Kurs und merken erst hier, dass sie es noch nicht richtig können, weil sie keine Anwendung haben“, sagt Nico.

Kalle ergänzt: „Am Anfang braucht man drei Monate bis ein halbes Jahr, um Fortschritte zu machen. Wichtig ist, dass man unter Gehörlose geht – sonst verliert man es schnell wieder.“


Gemeinschaft als Schlüssel

Im Kern geht es beim Gebärdensprachtreff um Respekt, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung. „Ich bin allen gegenüber offen und barmherzig“, sagt Wolfgang. „Wichtig ist, dass man sich gegenseitig respektiert – egal, wo jemand in der Gesellschaft steht.“

Die Botschaft ist klar: Der Gebärdensprachtreff ist weit mehr als ein Freizeitangebot. Er ist ein Ort, an dem Inklusion gelebt wird – Woche für Woche, mitten in Bielefeld.

 

 
 
 

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