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Ein Urlaub, der mir die Augen geöffnet hat

  • Writer: Sofia Sgurski
    Sofia Sgurski
  • Aug 31, 2025
  • 3 min read

Updated: Sep 15, 2025

Warum ich nach Kasachstan reisen musste, um Deutschland richtig zu schätzen.


Nach sechs Jahren war ich zum ersten Mal wieder in meiner Heimat Kasachstan. Der Grund meiner Reise war, meine Familie wiederzusehen. Es war ein besonderer Urlaub, voller schöner Begegnungen, aber auch voller trauriger Momente, besonders durch den Verlust meines Großvaters, der uns in dieser Zeit verlassen hat. Trotzdem war es eine Reise, die mir die Augen geöffnet hat. Erst dort habe ich richtig verstanden, wie dankbar ich für mein Leben in Deutschland sein darf.

In Kasachstan habe ich viele Unterschiede bemerkt, die mir im Alltag in Deutschland kaum bewusst waren. Schon die Straßen fielen mir auf: Viele von ihnen sind kaputt, voller Schlaglöcher und nicht sauber. Überall lagen Plastikflaschen und Müll, was das Bild der Umgebung stark beeinträchtigte. Auch die Infrastruktur ist schwächer. In dem Dorf, in dem meine Familie lebt, gibt es oft Probleme mit dem Strom, manchmal fällt das Licht stundenlang aus. Selbst die Toilette befindet sich draußen im Hof – etwas, das in Deutschland unvorstellbar wäre.

Foto von Sofia Sgurski
Foto von Sofia Sgurski

Ein weiterer Unterschied, der mir aufgefallen ist, betrifft die Kleidung. Viele Kinder laufen in abgetragenen, alten Sachen herum, weil die Familien kein Geld für neue Kleidung haben. In Deutschland wäre das oft ein Grund für Ausgrenzung. Doch in Kasachstan zählt das nicht. Die Menschen achten weniger auf das Äußere, sondern mehr auf Charakter, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe. Diese Einstellung hat mir gezeigt, dass Werte wie Respekt und Gemeinschaft dort viel stärker gelebt werden.

Ein großes Problem bleibt auch die medizinische Versorgung. In dem Dorf, in dem meine Familie lebt, gibt es kaum Ärzte. Wenn jemand ernsthaft krank wird, muss er oft mehrere Stunden in die nächste Stadt fahren, um behandelt zu werden. Medikamente sind teuer und nicht für alle Menschen leicht zugänglich. Das hat mir gezeigt, wie wertvoll das deutsche Gesundheitssystem ist, in dem jeder Mensch abgesichert ist und ärztliche Hilfe bekommt.

Doch Kasachstan hat auch unglaublich viele schöne Seiten. Die Natur ist beeindruckend: riesige Steppen, hohe Berge im Süden bei Almaty, klare Seen wie der Issyk-See und traumhafte Landschaften, die man so in Deutschland nicht findet. Besonders in Almaty konnte ich sehen, wie modern und lebendig eine Großstadt sein kann, auch wenn die Dörfer nicht ganz so großartig sind. Dennoch ist Almaty, die ehemalige Hauptstadt Kasachstans, wo derzeit viele Reformen stattfinden, um die Stadt innovativer und moderner zu gestalten, sehenswert.

Foto von Sofia Sgurski
Foto von Sofia Sgurski

Auch die Menschen in Kasachstan sind sehr herzlich und gastfreundlich. Egal, wie wenig jemand besitzt, er teilt es mit seinen Gästen. Bei meiner Familie wurde sofort ein reich gedeckter Tisch vorbereitet, mit traditionellen Gerichten wie Beshbarmak oder Manty.


Foto von Sofia Sgurski
Foto von Sofia Sgurski

Außerdem gibt es viele Traditionen und Feste, die Kasachstan einzigartig machen. Besonders das Neujahrsfest „Nauryz“ mit Musik, Tänzen und bunten Kostümen zeigt, wie stark die Kultur und der Zusammenhalt der Menschen sind.

Foto von Sofia Sgurski
Foto von Sofia Sgurski

Im Vergleich dazu wird mir bewusst, wie stark das Sozialsystem in Deutschland aufgebaut ist. Jeder Mensch hat hier die Möglichkeit, Unterstützung zu bekommen, sei es durch Kindergeld, Krankenversicherung oder Arbeitslosengeld. In Kasachstan müssen Familien oft alleine zurechtkommen, wenn das Geld nicht reicht.

Dieser Urlaub hat mir gezeigt: Deutschland bietet eine Lebensqualität, die ich früher als selbstverständlich angesehen habe – saubere Straßen, ein funktionierendes Schulsystem, verlässliche Strom- und Wasserversorgung, medizinische Sicherheit und soziale Absicherung. All das sind Dinge, die in Kasachstan nicht selbstverständlich sind.

Gleichzeitig habe ich gelernt, die schönen Seiten meiner Heimat zu schätzen – die Natur, die Gastfreundschaft, die Kultur und die besonderen Traditionen. Beides zusammen hat mir die Augen geöffnet. Ich bin dankbar, dass meine Eltern mir ein Leben in Deutschland ermöglicht haben, aber ich bin auch stolz, aus Kasachstan zu stammen.

 

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