Pferde dürfen weiterhin im Musikraum geparkt werden
- Felix Markwart

- Oct 2, 2025
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Updated: Jan 19

Mein Vorhaben war, mit einer Petition rumzulaufen und zu berichten, welchen Erfolg man als Schüler haben kann. Ich finde es einerseits lustig, andererseits könnte ich vielleicht etwas Politisches bewirken.
Wie viel Macht habe ich eigentlich als Schüler? Wie viel Macht haben wir, wenn wir gemeinsam etwas unterschreiben? Gelten Petitionen noch als demokratische Werkzeuge?
Es gab z. B. eine Petition bei McDonald’s, sodass das Unternehmen den McRib wieder angeboten hat. Das hat funktioniert.
Mein Thema: das Parken von Pferden im Musikraum. Dies soll explizit verboten werden, weil es nämlich den Unterricht stört und die Instrumente gefährdet.
Ich habe ein Witzthema ausgesucht, um zu zeigen, dass auch unerwartete Themen (gefährlicherweise) schnell in die Politik ankommen können. Mich interessiert auch, ob andere ihre eigenen Petitionen führen. Ich mag Petitionen sehr, weil das zeigt, dass etwas von kleinen Leuten als große Message übergeben wird. Kann ich eine große Diskussion als kleiner Mensch inszenieren?
21. September
Ich bin in der Pause herumgelaufen und oft zu großen Freundesgruppen gegangen. Mit Ansage: Ich mache eine Petition, erkläre, was eine Petition ist, und meine Position. Oft waren meine Mitschüler*innen verwirrt, ob es irgendwann überhaupt im Musikraum Pferde gab. Ich erklärte, dass es keine gab und dass es keine geben sollte. Viele haben gelacht und eingesehen, dass Pferde nicht im Musikraum sein sollen. Aber einige haben es anders gesehen: Wir brauchen doch Pferde in der Schule! In der Tat unterschrieben einige Schüler:innen meine Petition nicht, weil sie nicht einverstanden waren. So funktioniert Demokratie. Aber ich habe viele Unterschriften bekommen.
Ich war erst nervös wegen der Reaktionen, aber meine Mitschüler*innen haben es mit Humor genommen. Und dass ich in einer Woche so viele Unterschriften bekommen habe (aktuell 132), hat mich aufgemuntert. Ich hatte ein paar Lehrer gefragt, ob sie auch unterschreiben würden. Viele haben gelacht, manche haben mich komisch angeguckt: „Ich unterschreibe keinen Blödsinn.“ Ein Lehrer meinte, er würde es überlegen, hat sich aber noch nicht gemeldet.
Am Anfang gab es unter Schüler:innen großes Interesse. Ich habe sehr viele Anfeuerungen bekommen – am Haupteingang haben Leute gerufen: „Keine Pferde! Keine Pferde!“ Das hat sich schön angefühlt, weil es mir gezeigt hat, dass mein Wort zählt. Lehrkräfte meinten, sie hätten auch davon gehört. Es hat sich sehr schnell verbreitet. Noch eine andere Gruppe hat sich entwickelt, die sich gegen meine Petition positioniert hat. Sie hat aber keine eigene Petition gestartet.
Momentan läuft es langsamer – pro Pause 4–5 Unterschriften. Ich überlege, ob ich in Klassen reingehe. „Ist das jetzt echt? Ist das gerade fake?“ Viele glauben nicht, dass ich etwas Ernstes damit machen möchte. Einige haben gesagt, ich wolle die Unterschriften für etwas anderes nutzen. Der Vertretungsschülersprecher hat unterschrieben, aber der Schulsprecher nicht – also wird meine Petition doch von Politikern ernst genommen!
Wenn ich 200 Unterschriften erreiche, werde ich zur Schulleitung gehen und schauen, ob ich diese Regel durchsetzen kann.
Mitte Oktober
Heute bin ich mit meinen 180 Unterschriften zur Schulleitung gegangen und habe gefragt, ob meine Petition von der Schule angesehen werden könnte. Sie sagten zuerst, es sei ein sehr fragwürdiges Thema, haben es aber mit Humor genommen. Wenn die Hälfte der Schule die Petition unterschreibt, sagten sie, würde die Schulleitung überlegen, ob sie umgesetzt wird, und sie müsste auch in einer Lehrerkonferenz besprochen werden. Die Schulleitung hat mich außerdem darauf hingewiesen, dass Pferde Kinder entspannen und auch etwas Gutes bewirken könnten. Sie haben keine offizielle Stellung bezogen, sahen aber Kontra zu meinen Argumenten.
Nach dem Gespräch bin ich zurück in den Unterricht gegangen, und nach ungefähr sechs Minuten kam jemand aus der Schulleitung zurück. Er bot mir ein weiteres Gespräch an. Es ging darum, wie die Petition weiterläuft. Die Schulleitung hatte einen teilweise positiven Eindruck, nachdem ich ihnen meine Petition gezeigt hatte, bat mich aber trotzdem, die Petition zu beenden. „Sie hat Unruhe in die Schulatmosphäre gebracht.“
Sie argumentierten auch, dass eine Petition einen schlüssigen Hintergrund brauche und dass meine Hintergrundgeschichte nicht aus dem Herzen kommen könne. Ich wollte eigentlich nur schauen, ob und wie weit ich mit einer Petition kommen kann. Aber meine Petition „stellt das ganze Schulsystem in Frage“ und schafft ein Problem, das es in Wirklichkeit nicht gibt.
Dieses Petitionsexperiment sollte zeigen, was man als einzelner Schüler erreichen kann. Es ging auch darum, ob ein unernstes Thema durchgehen kann. Meine Petition wurde nicht ernst genommen – also wohl nicht. Aber viele wollen, dass ich es noch Mal versuche.



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